Rückkehr am Samstag

  • Mit einem lauten Schrei riss ich mir das Messer aus dem Bauch und fuchtelte damit wild um mich. Trotz der drei Angreifer, die ich seitdem weniger hatte, überkam mich mehr und mehr das Gefühl, dass mir die Sache über den Kopf gewachsen war. Mit viel Mühe fing ich mich wieder und sprang dann auf die Schultern eines Mannes vor mir, der daraufhin von drei Schlägen in den Bauch und auf den Kopf getroffen wurde, denen ich auf diese Art ausgewichen war. Ich stieß mich von seinen Schultern ab, und warf während des Fluges das Messer in meiner Hand auf einen Mann weiter vorne, auf dem ich dann schließlich auch landete. Ich rollte mich ab und kam damit aus dem Zentrum der Menge heraus.
    Ich stand nun mit dem Rücken zur Treppe, was mir die Angriffe von hinten ersparte. Mit schnellen Trittfolgen wehrte ich mich gegen die zahlreichen Schläge. Ich parierte eine Eisenstange mit dem einen Fuß, während ich einen Anderen Angreifer an Handgelenk packte und die Treppe hinter mir hinunter warf. Aus der Drehung verpasste ich einem weiteren einen Tritt gegen die Schläfe und wich dabei einer aufblitzenden Klinge aus, die irgendjemand weiter hinten geworfen haben musste.
    Dann plötzlich drückte mir jemand von hinten etwas in die Hand.
    Ich schlug damit zu und erkannte überrascht den Dolch, den ich zuvor AnnaSophia gegeben hatte. Die Klinge war blutverschmiert und das auch schon bevor ich damit zuschlug. Mit einem mächtigen Wirbel fügte ich allen Angreifern in unmittelbarer Nähe Schnittverletzungen zu, woraufhin diese ihre Waffen fallen ließen. Das wiederum gab mir Zeit, hinter mich zu blicken. Auf halber Höhe der Treppe stand AnnaSophia. Sie hielt einen eisernen Kerzenständer in der Hand und briet dem Mann, den ich zuvor die Treppen hinuntergeworfen hatte, eine über, um ihn endgültig kampfunfähig zu machen.
    Ich lächelte ihr kurz zu und sie lächelte nur zurück. Dann griff ich mir einen weiteren Angreifer und beförderte ihn die Treppe hinunter zu AnnaSophia, die dann wieder von ihrem Kerzenständer gebrauch machte. Diese Taktik schien gut zu funktionieren und so warf ich einen nach dem anderen zu ihr hinunter, wo sie alle k.o. geschlagen wurden, falls sie sich überhaupt noch rühren konnten.
    Das funktionierte so lange, bis ich mich plötzlich dem Dicken mit der Riesenkeule gegenüber sah. Ich wich seiner gewaltigen Waffe aus, die knapp neben mir eine tiefe Delle im stählernen Schiffsboden hinterließ. Ich musste ihn unbedingt von AnnaSophia ablenken und so griff ich mir einige der herumliegenden Messer und bewarf ihn damit. Jetzt war an Deck ja genug Platz um zu kämpfen, das musste ich ausnutzen. Er drehte sich zu mir und stürzte los. Diese Geschwindigkeit hätte ich ihm nie zugetraut und meine eigene hatte aufgrund der zahlreichen Verletzungen zu stark abgenommen, als dass ich ihm jetzt noch ausweichen könnte. Ich sah die Keule wie in Zeitlupe auf mich herniedersausen.
    Der Aufprall war extrem schmerzhaft. Es fühlte sich an, als wäre jeder einzelne Knochen zerschmettert worden. Ich konnte nicht einmal mehr richtig schreien, auf meinem Gesicht spiegelte sich der Schmerz stumm wieder.
    "Du hast dich wohl etwas übernommen.", sagte der Boss der Bande plötzlich und kam zu mir herüber gehumpelt. "Jetzt wirst du dafür bezahlen, was du gerade getan hast!"
    Er zog noch eine Waffe aus seiner Jacke und legte an. Dann schrie er auf, als AnnaSophia ihm einen saftigen Schlag mit dem Kerzenständer verpasste, doch er wurde nicht ohnmächtig, sondern drehte sich um und stieß sie weg. Sie stolperte rückwärts gegen die Reling und blieb dort wimmernd liegen.

  • "Das hast du nicht umsonst getan!", schrie der Boss und zielte auf sie.
    Ich stemmte meinen Oberkörper nach oben und drückte mich mit aller Kraft ab.
    "NEIIIIIIN!"
    Ich warf mich in die Kugel, die für AnnaSophia bestimmt war und brach unter dem Schmerz endgültig zusammen. Mein Sichtfeld wurde langsam kleiner und alles wurde unscharf. Mit letzter Kraft warf ich AnnaSophia den Dolch zu.
    "Mach... ihn... feritg.", brachte ich gerade noch so zusammen. Ich blieb dennoch bei Bewusstsein und mein Körper begann schon, die Knochen wieder an die richtigen Stellen zu schieben.
    AnnaSophia hob den Dolch auf und stürzte sich auf den Boss. Sie stach einmal zu, mitten ins Herz. Der Boss schrie vor Schmerzen und taumelte rückwärts auf die Reling auf der anderen Seite zu, über die er kurz darauf in die Tiefe stürzte.
    Dann schloss ich die Augen, um mich noch einmal zu konzentrieren. Ich musste ihr helfen! Ich mobilisierte alle Reserven und stand noch einmal auf. Obwohl ich kaum etwas sehen konnte, erkannte ich dennoch die riesige Keule, die schon wieder im Begriff war mich zu treffen. Diesmal jedoch verfehlte er mich, denn AnnaSophia hatte sich auf seinen Rücken geworfen und klammerte sich jetzt um seinen Hals. Doch ich war zu langsam! Noch bevor ich ihm einen tödlichen Treffer zufügen konnte, schüttelte er AnnaSophia ab und versetzte ihr einen Schlag mit der Keule, der ihre Knochen bersten ließ. Ich geriet in Raserei! Nur Sekunden später grub ich meine Hand in sein Fleisch und zerquetschte ihm sein Herz bei lebendigem Leib.
    Als der riesige Fleischkloß umfiel sah ich erst wieder klar genug, um zu begreifen, was da eben vorgefallen war.
    Ich quälte mich hinüber zu AnnaSophia. Wir waren jetzt die letzten beiden Überlebenden an Deck und ich war mir auch sicher, dass ich das durchhalten würde, aber für wie lange galt das auch für AnnaSophia? Ihr Zustand war schrecklich! Arme und Beine standen in völlig absurden Winkeln von ihrem Körper ab, sie war voller Blut und ihre Augen wirkten beinahe leer.
    So weit hätte es nie kommen dürfen. Sie hatte mir das Leben gerettet, aber zu welchem Preis? Hatte ich ihr nicht versprochen, sie zu beschützen? Wo war ich, als sie meine Hilfe brauchte? Wieso konnte ich nichts tun? Es war alles meine Schuld!
    Sie stöhnte und atmete sehr schwer. Mit viel Mühe ächzte sie dann: "Mach dir... keine... Vorwürfe... Ich... ich... liebe dich." Dann verstummte sie und ihr Atem wurde immer langsamer. Ich konnte auch bald ihr Herz nicht mehr schlagen hören. Sie starb gerade.
    Ich küsste sie noch einmal auf den Mund, schmeckte das Blut auf ihren Lippen und... hatte plötzlich einen Einfall. Die Lösung lag auf der Hand! Hoffentlich war es noch nicht zu spät!
    Ich öffnete meinen Mund so weit ich konnte und biss sie in den Hals. Meine Fangzähne drangen tief in ihre Adern ein und ich saugte ein paar Tropfen Blut heraus. Dann ließ ich wieder von ihr ab und beobachtete sie noch solange ich konnte, bevor mein Körper aufgrund der riesigen Erschöpfung in eine Art Starre fiel. Mir wurde schwarz vor Augen.

  • Ich wachte erst nach einer Ewigkeit wieder auf und alles war noch verschwommen. Dann langsam erkannte ich die Umrisse des Treppengeländers, neben dem ich lag. Ich setzte mich hin und lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Das Deck lag voller Leichen und meine Kleidung war durchtränkt von Blut. Mein Schädel brummte noch ein wenig, aber alles in allem ging es mir wieder annehmbar gut.
    Plötzlich erkannte ich, dass jemand neben mir saß. Dieser Jemand war ein Vampir, da war ich mir sicher, als er mich berührte. Nein, Moment... nicht er, sondern... sie.
    "Ich bin dir etwas schuldig."
    Diese Stimme... das konnte doch fast nicht...
    Es hatte also funktioniert. Damit hätte ich nicht mehr gerechnet. Sollte mir nach all dem Pech in letzter Zeit etwa doch noch etwas Gutes passieren?
    "Wie geht es dir?", fragte AnnaSophia.
    "Jetzt können wir für immer zusammen bleiben.", fügte sie nach einer kurzen Pause hinzu.
    Dann umarmte sie mich und ich fühlte mich so glücklich wie noch nie zuvor in meinem Leben.


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    Abschlussbemerkungen:


    AnnaSophia hatte sich nach meinem Biss in einen Vampir verwandelt und so konnte sie sich von ihren schweren Verletzungen erholen. Wir beschlossen, Hamburg hinter uns zu lassen und beide nie wieder dorthin zurückzukehren. Sie erholte sich bald von dem Schock und versuchte, ihren Alltag wieder aufzunehmen, diesmal allerdings an meiner Seite.
    AnnaSophia gewöhnte sich sehr schnell an die geänderten Lebensbedingungen als Vampir und kam gut damit zurecht. Ich zog mit ihr zusammen in ein beschauliches Haus im Süden von Denver, wo wir seitdem wohnen.


    AnnaSophia's Bewacher überlebten diesen Tag. Sie ließen AnnaSophia absichtlich laufen, denn sie hatten kein Verständnis für die Pläne ihres Chefs, der ihrer Meinung nach zu weit gegangen war. Die Beiden meldeten sich nicht viel später bei ihr und entschuldigten sich. Sie wurden zu Freunden und wir stehen uns seitdem sehr nahe.


    Noch am gleichen Tag erhielten wir einen Anruf eines begeisterten Fans – auf AnnaSophias privatem Handy. Ich hatte vergessen, mich im Internetcafe auszuloggen und ein Mitglied des Forums, das zufällig das gleiche Internetcafe nutzte, nahm die Gelegenheit wahr. Der Webmaster hat zum Glück nie davon erfahren...


    Den Klingelton meines Handys habe ich bis heute noch nicht geändert. Es hingen nun einfach zu viele Erinnerungen daran.


    Und meine Suche habe ich bis heute noch nicht aufgegeben. Irgendwann finde ich eine Möglichkeit und dann können AnnaSophia und ich als Menschen für den Rest unseres Lebens zusammen sein.



    (Fortsetzung? Gibt es eine Möglichkeit zum Mensch zu werden? Wer weiß...)


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    Ich weiß Marcus, ist ein wenig heftiger geworden als der erste Teil :whistling:
    Wenn es so weitergeht sollte der Dritte Teil dann FSK18 bekommen ;) Naja, mal sehen, wann ich dazu komm...


    Dann lasst es wieder mal Kritik hageln :)
    Wenn ihr wollt, kann ich auch wieder ne pdf draus machen :D

  • Einfach stark geschrieben, gut ausbaufähig, daraus lässt sich jedenfalls eher eine Buchversionn verfassen als aus meiner Spinnerei.
    Du bist ein guter Autor :thumbsup: :thumbsup: .
    Echt toll Geschrieben und viel fantasie eingebracht :thumbsup:

  • Ich befolge nur AnnaSophia's Rat: "Keep your mind wide open." :)
    Gut, es ist kein Terabithia (also ausbaufähig ;) ), aber ein Buch daraus? Hmmm... Wer weiß, ob ich mal Zeit find... :D
    Danke für das Lob! Deine Geschichte ist aber auch super, find ich. Auf jeden Fall keine Spinnerei, wie dus nennst :thumbsup:
    Ich muss sagen gewisse Charaktere aus deiner Story, wie Li oder der Held selbst haben ganz großes Potential und deine Art Dialoge zu schreiben find ich einfach genial :thumbsup: Also, mach du auch weiter so, damit wir alle noch mehr spannendes zu lesen bekommen =D

  • Also wenn das jetzt meine Familie gesagt hätte, dann hätte mans auf Sympathien mir gegenüber schieben können.
    Ihr steht mit mir aber nicht direkt in Verbindung und damit seid ihr automatisch kritischer. Um so mehr freut mich euer Lob :)
    Euch kann ichs nämlich glauben :D

  • Ich schreib schon an nem dritten Teil und wollte da auch einige von euch drin vorkommen lassen, nämlich:
    Lordi, Kingwitty, Webmaster, Roflduhastlol, Shengo Cleanmen, Dave 94, Marcus und ASRloverock


    Falls eine der genannten Personen nicht vorkommen will, einfach hier reinposten. Ihr habt noch bissl Zeit, bis ich fertig bin, also es eilt nicht. :)