Birdman



      Was ich erstaunlich (und in gewisser Weise fast empörend) finde, dass der Film mit den meisten Oscar-Nominierungen des Jahres (immerhin 7 -- oder gar 9?) auch in der zweiten Woche nach Deutschlandstart bei mir in der Gegend zwischen Gifhorn und Wolfsburg in keinem einzigen Kino läuft! Dabei ist der Film nicht nur wegen seiner Preise und Nominierungen, sondern auch wegen seiner besonderen Prämisse bei Filmfans in aller Munde und fast durch die Reihe hochgelobt. Ich wollte mir daher Birdman unbedingt im Kino anschauen und zum Glück läuft er wenigstens in Braunschweig in einem (!) einzigen (!) Kino.
      Und auch ich reihe mich ohne Einschränkung in die Reihe der Begeiterten ein: Mit Sicherheit einer der besten und vor allem ungewöhnlichsten Filme, die ich je gesehen habe.
      Was den Film neben den unfassbar guten schauspielerischen Leistungen aller Darsteller (besonders natürlich Hauptdarsteller Michael Keaton, aber auch Edward Norton, Emma Stone uvm.) macht, ist die die Art, wie der Film gedreht ist. Er erweckt den Eindruck eines einigen, großen 'One-Takes', d.h. er kommt, bis auf ein paar Szenen am Anfang und am Ende, ohne (sichtbare) Schnitte aus. Das hat, glaub ich, zuletzt nur Hitchkock gewagt. Natürlich ist der Film nicht tatsächlich an einem Stück gedreht worden und an manchen Stellen kann man auch erraten, wo und wann geschnitten wurde (wie z.B wenn man in einen Raum kommt, in dem es zunächst dunkel ist). Dennoch sind die einzelnen Szenen unfassbar lang und man kann nur erahnen, alein welche choreograpfischen Meisterleistungen dahinter stecken müssen, von den schauspielerischen Leistung jedes einzelnen Darstellers ganz zu schweigen.
      Kurz zur vielschichtigen, teils ins absurde, phantastische abdriftende Handlung: Michael Keaton spielt einen alternden Schauspieler, der seine große Zeit in der Rolle des Superhelden Birdman (hier ist die klangliche Ähnlichkeit zu Batman sicher kein Zufall, Keaton spielt sich in gewisser Weise also selber) hinter sich hat und jetzt versucht, seine Karriere als Regiseur und einer der Hauptdarsteller eines Theaterstücks am Broadway wieder Aufschwung und Bedeutung zu verleihen. Dabei verfolgt ihn aber - durchaus im wörlichen Sinne - seine alte Rolle als Birdman.
      Zum Schluss noch kurz zum Soundtrack, der ebenso ungewöhnlich ist wie der ganze Film, besteht er doch, bis auf Ausnahmen, nur aus einem Solo-Schlagzeug. Oft wirkt er, als wäre er nicht im Hintergund, sondern würde irgendwo direkt aus der Szene kommen, ein paarmal ist der Schlagzeuger sogar in die Szene eingebaut.